Hat Platon wirklich alle Dichtung gehasst?
Man sagt, Platon verbannte Dichter aus seinem Staat – ein Philosophenkrieg gegen die Poesie. Aber verachtete der Vater der westlichen Philosophie wirklich Verse?

‚Platon hasste Dichtung‘ – oder doch nicht?
Platons ‚Politeia‘ liest sich wie ein Bann gegen Poesie. Berühmt schlägt er vor, Dichter aus seiner idealen Stadt zu verbannen, weil sie „gefährliche Geschichten erzählen“. Generationen sahen in ihm den ultimativen Spielverderber, der Homer und Sappho gleichermaßen aussperrte.
Die Philosophen-Dichter, die Platon liebte
Platons Dialoge sind durchzogen von Mythos, Metapher und poetischem Rhythmus. Er kritisiert Dichter, die seiner Meinung nach in die Irre führen oder zerstörerische Gefühle schüren. Aber er erträumt auch eine erneuerte Dichtung – eine, die philosophische Wahrheit offenbart. Er ruft sogar nach neuen Dichtern, die die Seele der Stadt formen. Platon hasste Verse nicht – er wollte sie neu erschaffen.
Warum der ‚Dichterbann‘ blieb
Der Mythos hält sich wohl, weil Platons Kritik so dramatisch und scharf ist. Spätere Kritiker – von römischen Moralisten bis zu viktorianischen Schulmeistern – nutzten seine Worte, um ihre eigene Skepsis gegenüber Kunst zu rechtfertigen. Doch wer ins ‚Symposion‘ oder den ‚Phaidros‘ schaut, findet einen Philosophen, der der Magie der Poesie hilflos erliegt.
Platons Dialoge sind voller dichterischer Anspielungen. Er kritisierte bestimmte Arten von Poesie als verderblich, aber er lobte auch den Philosophen-Dichter und forderte neue, bessere Dichtung für seine ideale Stadt.