Der Mythos der analphabetischen Spartaner
In jedem Film sind Spartaner wortkarge Krieger, die Bücher und Poesie verachten. Kaum lesen, nur kämpfen – oder?

Henry Picou (French, 1824–1895) — "The Four Seasons" (1850), CC0
Spartaner: Krieger, die Bücher hassten?
Hollywood zeigt Spartaner als muskelbepackte Analphabeten – zu beschäftigt mit Kriegstraining, um sich für Schreiben, Poesie oder Kunst zu interessieren. Fragt man herum, hört man oft: Spartaner verachteten alles außer Kampf.
Spartaner sangen, dichteten und rezitierten
Das spartanische Bildungssystem brachte Jungen bei, Homer zu rezitieren, bissige Gedichte zu verfassen und Rätsel zu tauschen. Ein spartanischer König, Leonidas, wurde für sein scharfes Lachen und seine geistreichen Sprüche gelobt. Archäologen fanden spartanische Inschriften, Widmungen und Verse – Beweis, dass sie nicht nur schrieben, sondern das gesprochene und geschriebene Wort schätzten.
Wie entstand dieser Mythos?
Die alten Athener verspotteten Spartaner als stumpf, und viktorianische Autoren griffen das auf – so entstand die Legende vom dummen Krieger. Die Wahrheit ist schärfer: Ein Spartaner sollte mit Worten genauso flink sein wie mit dem Speer.
Spartaner konnten nicht nur lesen und schreiben, sie schätzten Witz, lehrten Poesie und führten sogar Theaterstücke auf. Ihre Gesetze wurden zwar auswendig gelernt, aber Inschriften, Grabsteine und Gedichte im spartanischen Dialekt sind bis heute erhalten.