Sappho und die verlorenen Gedichte
Als Sappho starb, füllten ihre Verse neun Papyrusrollen. Fast alle verschwanden – verbrannt, vergraben oder einfach verloren.

Unknown — "Stater: Pegasos (obverse); Head of Athena (reverse)" (c. 350–338 BCE), CC0
Eine Stimme fast ausgelöscht.
Als Sappho von Lesbos um 570 v. Chr. starb, füllte ihre Poesie ganze Bibliotheksregale. In Alexandria widmete man ihr neun Schriftrollen. Heute sind davon nur Fragmente übrig – Verse, einst zur Leier gesungen, gefunden auf Papyrusfetzen oder in Zitaten späterer Autoren.
Feuer, Zensur und Vergessen.
Frühe christliche Kleriker nannten ihre Gedichte gefährlich und forderten ihre Vernichtung. Papyrus verrottete, Bibliotheken brannten, Gelehrte kopierten lieber andere, harmlosere Texte. Die meisten von Sapphos Worten verschwanden – verloren an Feuer, Feuchtigkeit und die Mühlen der Zeit. Was wir haben, sind Zufälle: Zeilen am Rand, aus dem Sand Ägyptens geborgen.
Was bleibt: ein Flüstern.
Was ist übrig? Phrasen – manchmal nur ein Bild oder ein Name einer Geliebten. Von neun Rollen sind kaum zwei Gedichte vollständig erhalten. Sapphos Welt hängt an einem seidenen Faden. Sie schrieb für ein Publikum, das sie sich nie vorstellen konnte – uns, die nach Resten ihres verlorenen Liedes greifen.
Jahrhunderte voller Zensur, Feuer und Gleichgültigkeit löschten fast Sapphos gesamte Dichtung aus – übrig blieben nur Fetzen, die von ihrer Stimme erzählen.