Hatten römische Häuser kahle Wände?
Du stellst dir eine römische Villa mit blanken Marmorwänden vor—edel, streng, erschreckend leer. Der Mythos: Die Alten lebten umgeben von weißem Stein, ohne jede Verzierung.

Unknown — "Rosso antico torso of a centaur" (1st–2nd century CE), public domain
Der Mythos vom marmornen Minimalismus
Hollywood und Schulbücher zeigen gerne Römer, die in kargen, leeren Räumen brüten—kühler Marmor von Boden bis Decke, kein Hauch von Dekoration. Vielleicht eine Statue in der Ecke, sonst nichts. Erhaben, aber frostig.
Die Realität: bemalte Wände im Farbenrausch
Archäologen in Pompeji fanden etwas ganz anderes. Jede Oberfläche in einem reichen Haus war überzogen mit gemalten Göttern, wirbelnden Landschaften, fliegenden Liebesgöttern und Gartenillusionen. Wände sollten blenden, nicht verschwinden.
Woher kommt der Mythos?
Die meisten römischen Wandmalereien sind längst verblasst oder zerbröselt—übrig blieb nur der weiße Marmor darunter. Jahrhunderte lang sah man nur die Knochen dieser Häuser, nicht ihre Haut. Erst Vulkanasche und Ausgrabungen brachten das antike Technicolor ans Licht.
Tritt in Pompeji ein, und jede Wand explodiert vor Farbe—Götter, Gärten, Monster, wilde Feste. Römische Häuser waren bunte Galerien, keine sterilen Mausoleen.