Römische Namenskonventionen
Jeder Römer hatte drei Namen, oder? Praenomen, Nomen, Cognomen – so steht’s im Lehrbuch. Aber für die meisten war es nicht so einfach.

Unknown — "Bronze statuette of a pantheress" (1st–2nd century CE), public domain
Der Mythos von den 'drei Namen'.
Man stellt sich vor, jedes römische Kind bekommt einen Zungenbrecher wie Gaius Julius Caesar oder Marcus Tullius Cicero. Jeder Schaubild erklärt praenomen, nomen, cognomen – immer drei Namen. Doch die große Mehrheit der Römer hatte dieses Trio nie.
Ein Name, zwei Namen – und sozialer Status.
Normale Römer – Frauen, Sklaven, die meisten Freigelassenen – kamen mit einem oder zwei Namen durchs Leben. Nur die männliche Elite führte alle drei: Vorname, Sippe, Familienzweig. Und selbst da wurden Namen mit der Zeit länger und stapelten sich manchmal zu sechs oder mehr – als Statussymbol. Archäologen finden unzählige Grabsteine mit nur einem Namen: „Felix“, „Primus“, „Livia“.
Schuld sind Lehrbücher und Kaiser.
Das Dreinamensystem wurde berühmt, weil die Kaiser und Großen der Zeit gerne mit Namen prahlten. Moderne Autoren projizierten das dann zurück – so erinnern wir uns an die Ausnahmen, nicht an die Regel. Für Alltagsrömer klang ein „Gaius Julius Caesar Octavianus“ genauso übertrieben wie für uns.
Die meisten Römer hatten nur zwei Namen, manchmal sogar nur einen. Das berühmte Drei-Namen-Muster war ein Spleen der Elite, kein allgemeines Gesetz.