Polykrates, der Inseltyrann, der das Schicksal herausforderte
Polykrates steht auf den Mauern von Samos, unantastbar – bis er seinen Smaragdring ins Ägäische Meer wirft und die Götter herausfordert, ihn zu stürzen.

Unknown — "Limestone head of a bearded man" (early 6th century BCE), public domain
Das Opfer des Rings
Polykrates herrschte über Samos wie ein Piratenkönig. Zu erfolgreich, zu reich, zu glücklich. Seine Berater flehten ihn an – opfere etwas Wertvolles, bevor die Götter eifersüchtig werden. Er wählte seinen Smaragdring, warf ihn ins Meer, um das kosmische Gleichgewicht wiederherzustellen.
Das scharfe Schwert des Glücks
Wenige Tage später fing ein Fischer einen riesigen Fisch und brachte ihn in Polykrates’ Küche. Im Bauch – der Smaragdring. Herodot berichtet: Egal, was er tat, das Glück wich nicht von seiner Seite. Ironischerweise machte ihn das nur noch verdächtiger für sein Schicksal.
Niemand entkommt dem Neid
Kurz darauf wurde Polykrates von seinen Feinden von der Insel gelockt und getötet. Für die Griechen war sein Ende der Beweis: Selbst die Mächtigsten müssen den Neid der Götter fürchten. Manchmal dreht sich das Rad des Glücks am wildesten für die, die glauben, es im Griff zu haben.
In einer Epoche, die von Hybris besessen war, wurde Polykrates’ Wette gegen das Schicksal zur Warnung: Niemand entkommt dem Neid der Götter.