Musonius Rufus über Selbstbeherrschung
«Χρὴ δὲ μὴ πρὸς τὴν ἡδονὴν ἐκκαλεῖσθαι.» — „Man darf sich nicht von Lust verführen lassen.“ Musonius setzt die Regel in einer Welt voller Gelage und Überfluss.

Unknown — "Table" (ca. 1775–80), public domain
Zieh die Grenze beim Vergnügen.
Musonius Rufus bringt es in seinen Vorträgen (Vortrag XV) auf den Punkt: «Χρὴ δὲ μὴ πρὸς τὴν ἡδονὴν ἐκκαλεῖσθαι.» – „Man darf sich nicht von Lust verführen lassen.“ Gesprochen im Rom des Überflusses, ist das ein Befehl, gegen den Strom zu schwimmen.
Das stoische Plädoyer fürs Nein-Sagen.
Für Musonius konnte jede süße Versuchung zur Falle werden. Er lehrte Senatoren und Sklaven: Wahre Stärke zeigt sich darin, selbst zu wählen, was man begehrt. Disziplin war für ihn keine Qual – sondern Freiheit von jeder flüchtigen Regung.
Für Musonius Rufus war Selbstbeherrschung kein freudloser Verzicht. Wer jeder Lust nachgibt, legt sich selbst in Ketten. Wirklich frei ist, wer Nein sagen kann – auch wenn ganz Rom Ja schreit.