Musonius Rufus über Konsequenz
„Man darf nicht einmal für einen Tag vom Vernünftigen abweichen.“ — Musonius Rufus legte die Latte für täglichen Stoizismus so hoch, dass die meisten Römer drunter durchkrochen.

Jacques Louis David — "The Death of Socrates" (1787), public domain
Kein Tag Pause von der Tugend.
In Vorlesung 6 sagt Musonius Rufus: «Χρὴ δὲ μηδέποτε μὴ πρὸς τὸ εὔλογον παραπιπτεῖν, μηδ᾽ εἰς ἡμέραν μίαν.» — „Man darf nicht einmal für einen Tag vom Vernünftigen abweichen.“ Er verlangte mehr als Theorie—er wollte tägliche, unerbittliche Praxis.
Tugend ist Gewohnheit, kein Ereignis.
Musonius warnte: Eine einzige Ausnahme öffnet die Tür zur Schwäche. Der stoische Weg besteht nicht aus Heldentaten, sondern darin, jeden Morgen aufzustehen und Vernunft über Impuls zu stellen. Wie eine Klinge zu schärfen—lässt du einen Tag aus, rostet sie.
Für Musonius Rufus war Tugend tägliche Knochenarbeit, kein Fest einmal im Jahr. Schon der kleinste Ausrutscher, so meinte er, macht den nächsten leichter. Er lebte, was er predigte—keine Abkürzungen erlaubt.