Musonius Rufus über Essen und Charakter
„Wer geordnet und maßvoll isst, wird auch geordnet und maßvoll leben.“ Musonius Rufus beurteilte einen Römer nach seinem Benehmen am Tisch.

Unknown — "Victory with Cornucopia (Chariot Attachment)" (40–68 CE), CC0
Essen erzieht die Seele.
Musonius Rufus erklärt in seinen Vorträgen (überliefert bei Stobaios, Anthologie 3.18.18): «Ὁ εὐτάκτως καὶ σωφρόνως ἐσθίων, καὶ ζήσει εὐτάκτως καὶ σωφρόνως» — „Wer geordnet und maßvoll isst, wird auch geordnet und maßvoll leben.“ Für Musonius zeigt sich der Charakter bei jeder Mahlzeit.
Philosophie beginnt beim Abendbrot.
Für Musonius war Völlerei das Einfallstor aller anderen Laster. Wer seinen Hunger zähmt, übt Selbstbeherrschung im Kleinen – eine Probe für jede Entscheidung, öffentlich oder privat. Selbstkontrolle beginnt auf dem Teller.
Der strengste Stoiker Roms.
Musonius Rufus unterrichtete Senatoren und Sklaven gleichermaßen – manchmal gab es nur Brot und Zwiebeln. Philosophie war für ihn keine Sache für Hörsäle oder Tempel – sie startete am Esstisch, dreimal am Tag.
Für Musonius Rufus war das Abendessen eine Generalprobe für die Seele. Wie du isst, so lebst du.