Heute vor X Jahren: Meditrinalia – Roms vergessenes Junifest
Um den 9. Juni streifen römische Bauern durch ihre Weinberge, auf der Suche nach den ersten Anzeichen reifender Trauben – ein uraltes Ritual namens Meditrinalia wird leise erinnert, sein ursprünglicher Termin bleibt ein Rätsel.

Caravaggio (Michelangelo Merisi) — "The Musicians" (1597), public domain
Trauben und Ritual: das ungelöste Fest.
Offiziell wird Meditrinalia im Oktober gefeiert, doch einige antike Quellen deuten auf ein frühes, fast vergessenes Traubenritual im Juni hin. Bauern gingen durch die Reihen, flüsterten Gebete an Meditrina, Göttin der Heilkunst und des Weins, während sie nach dem ersten Hauch von Beeren Ausschau hielten.
Der Takt des Weinbergs – nicht der Uhr.
Römische Zeit war fließend – Feste passten sich dem Rhythmus der Natur an. Über die Ursprünge wird gestritten, aber eines ist sicher: Der Weinberg bestimmte das Leben der Römer. Die allererste Traube war das Startsignal für die lange Vorfreude auf den neuen Wein.
Manche Gelehrte meinen, das ursprüngliche Meditrinalia – Vorläufer des herbstlichen Weinfests – habe einst die ersten magischen Zeichen der Traube im Juni gefeiert. Für die Römer bestimmte nicht der Kalender das Jahr, sondern das, was die Reben erzählten.