Marcus Aurelius über Beleidigungen
„Die beste Rache ist, nicht wie der zu sein, der dir Unrecht getan hat.“ — Marcus Aurelius verschwendete keine Zeit an Vergeltung. Er setzte lieber neue Maßstäbe.

Joos van Wassenhove — "The Adoration of the Magi" (1472–74), public domain
Marcus Aurelius’ Regel für Beleidigungen.
In den Selbstbetrachtungen (Buch VI, 6) schreibt er: «Ἡ καλὴ τιμωρία τοῦ ἀνθρώπου, ὁς σε ἠδίκησεν, τοῦ μὴ γίνεσθαι ὅμοιον αὐτῷ.» — „Die beste Rache ist, nicht wie der zu sein, der dir Unrecht getan hat.“ Kein passiv-aggressives Verhalten. Kein Nachtragen. Einfach ein klarer Schnitt von schlechtem Umgang.
Wie ein Philosophenkaiser mit Verleumdung umgeht.
Marcus schrieb das nicht nur für sich selbst. Seine ganze Karriere war ein Spießrutenlauf—Höflinge, Generäle, sogar Familie standen Schlange, um ihn anzugreifen. Doch für einen Stoiker galt: Niemals die Kleinlichkeit anderer zum Maßstab des eigenen Charakters machen. Rom kannte tausend Wege zur Vergeltung. Marcus wählte den schwersten—nicht zu werden wie die, die er verachtete.
Marcus, umgeben von Verleumdung und Verrat, ließ sich von seinen Feinden keine schlechten Angewohnheiten beibringen. Über den Dingen zu stehen war die einzige Rache, die für ihn zählte.