Griechische Philosophen und Alkohol
Wir stellen uns griechische Philosophen vor: im Toga, messerscharfer Verstand, der Becher unberührt. Der Mythos: Philosophie heißt völlige Nüchternheit.

Unknown — "Mirror" (c. 470–460 BCE), CC0
Mythos: Nur nüchtern zur Weisheit
Fragt man die meisten, heißt es: Griechische Philosophen mieden Alkohol – schließlich kommt man mit vernebeltem Kopf nicht zur reinen Wahrheit. In jedem Film oder Bild sitzen sie tief in Gedanken, der Weinkelch fehlt.
Wahrheit: Wein befeuerte Debatten
Tatsächlich diskutierten berühmte Philosophen wie Sokrates und Platon beim Symposium – einer Trinkrunde, bei der Ideen und Wein gleichermaßen flossen. Platons „Symposion“ ist buchstäblich ein angeheiterter Redewettstreit, Sokrates trinkt mit Dichtern und Staatsmännern.
Woher kommt der Mythos?
Das Bild vom nüchternen Weisen setzte sich erst im 19. Jahrhundert durch, als Gelehrte die Philosophie salonfähig machen wollten. In Athen aber galt: Ein scharfer Verstand wurde gefeiert – und ein kräftiger Trinkwettstreit war kein Makel.
Einige der berühmtesten Denker tranken Wein bei Symposien – sie glaubten, das könne den Geist beflügeln. Und Platon schrieb ganze Dialoge, die auf feuchtfröhlichen Partys spielen.