Haben die Griechen immer ihre Toten verbrannt?
Wir stellen uns jede antike griechische Beerdigung mit Flammen vor—Leiber auf dem Scheiterhaufen, homerische Helden, die in Rauch und Feuer aufbrechen.

Thomas Hartley Cromek (British, 1809–1873) — "The Arch of Titus and the Coliseum, Rome" (1846), CC0
Der Mythos vom Scheiterhaufen.
Man stellt sich vor, die Griechen hätten jede Seele mit einem lodernden Scheiterhaufen verabschiedet—Asche in der Urne, ganz wie Achilles oder Hektor. Hollywood liebt das Feuer, das Drama, das antike Spektakel. Doch die meisten Griechen gingen nicht in Rauch auf.
Erde war so häufig wie Feuer.
Archäologen fanden tausende Erdbestattungen—Sarkophage, Gräber, sogar einfache Gruben. In vielen Stadtstaaten, etwa Athen, war die Erdbestattung über Jahrhunderte die Norm. Auch manche Helden wurden beerdigt, nicht verbrannt. Die Rituale wechselten immer wieder—manchmal sogar innerhalb einer Familie.
Warum der Irrglaube bleibt.
Die Epen—die Ilias, die Odyssee—zeigen spektakuläre Verbrennungen für ihre Helden. Ihr Ruhm prägte die Vorstellung für Generationen, jeder griechische Tod müsse im Feuer enden. Doch die gewöhnlichen Griechen unterhalb der Dichtung kehrten meist still zur Erde zurück.
In Wahrheit war die Erdbestattung oft genauso üblich wie die Feuerbestattung—selbst bei den Eliten.