Heute vor Urzeiten: Sommeropfer für Eros in Thespiai
Mitte Juli liegt süßer Weihrauch in der Luft von Thespiai—die Jugend versammelt sich am uralten Altar des Eros.

Unknown — "Marble female figure" (4500–4000 BCE), public domain
Honig, Kränze und heimliche Wünsche.
In Thespiai bedeutete der frühe Juli nur eins—Fest für Eros, den geflügelten Gott der unbezwingbaren Begierde. Die Jugendlichen schmückten seinen ältesten Altar mit honigduftenden Kränzen, in der Hoffnung, das Glück in Liebe oder Lust auf ihre Seite zu ziehen.
Eros vor Amor.
Lange bevor Amor als pummeliger Römerpfeil durch die Welt flog, war Eros wild, elementar und gefährlich. In Thespiai verehrte man ihn mit ernsten Ritualen, nicht mit rosa Pfeilen—seine Macht lag im Schweiß, im Gesang und im süßen Rauch des Opfers.
Jeden Hochsommer brachten die Menschen in Thespiai Eros, dem Urgott der Sehnsucht, Honig und Blumen dar. Sein Kult war älter als Cupidos römische Verwandlung.