Galen: Der Arzt, der die Macht sezierte
In einer Stadt, in der das Sezieren menschlicher Leichen tabu ist, wetzt Galen sein Skalpell. Er schneidet Affen und Schweine auf – und schreibt Roms Wissen über den Körper um, Fehler für Fehler.

Unknown — "Pierced Bowl Signed by Hasan al-Qashani" (late 11th–early 12th century), public domain
Skalpelle und Spektakel in Rom
In einem verrauchten Hörsaal schneidet Galen ein quiekendes Schwein auf, hält die pulsierenden Organe hoch – das Publikum ist gebannt. Menschliche Leichen sind tabu, also nimmt er, was blutet und atmet. Der Raum riecht nach Schweiß und heißem Fleisch, doch Galen bleibt unerschütterlich.
Ein Chirurg auf der Gehaltsliste des Kaisers
Vom Nähen der Gladiatoren bis zur Diagnose am Kaiser – Galen erlangt Macht, von der andere Ärzte nur träumen. Er verspottet alte Aberglauben und widerspricht Römern, die noch an Heilgötter glauben. Doch vieles bleibt geraten: Seine Zeichnungen zeigen Schweinelebern und Hundherzen als Ersatz für menschliche Organe.
Ein Vermächtnis aus Irrtum und Genie
Römische Gesetze hielten Galen von der Wahrheit fern, die er fast greifen konnte. Jahrhunderte lang bestimmten seine Irrtümer die europäische Medizin. Genie, Ehrgeiz und die Grenzen seiner Zeit – sie stecken in jeder Linie seiner Skizzen.
Galens medizinische Experimente, oft blutig und immer umstritten, brachten ihm Ruhm – von Gladiatorenwunden bis ans Kaiserbett. Er überbrückte die Kluft zwischen Tempelzauber und echter Anatomie, verblüffte das Publikum mit Live-Demonstrationen. Doch selbst als Leibarzt von Marcus Aurelius basierten Galens genialste Entdeckungen auf Tierkörpern – Roms Gesetze verboten ihm, einen Menschen zu öffnen.