Heute vor X Jahren: Das Baden der Pallas beginnt
Anfang Juni in Athen: Statuen der Athena werden entwaffnet, verhüllt und zum Fluss geführt – für ein rätselhaftes Bad.

Unknown — "Bronze mirror with a support in the form of a draped woman" (mid-5th century BCE), public domain
Athenas Bild – entkleidet und verhüllt.
Jedes Jahr Anfang Juni feierten die Athener die Plynterien. Die heilige Statue der Athena Polias – Beschützerin der Stadt – wurde ausgezogen, verhüllt und zum Meer oder Fluss getragen, um rituell gereinigt zu werden. In diesen Tagen war Athen symbolisch ungeschützt, seiner Verteidigerin beraubt.
Tage voller Tabus und gespannter Stille.
Während der Plynterien begann niemand neue Geschäfte, und die Stadt mied große Entscheidungen. Viele Athener hielten diese Zeit für unheilvoll, die Macht der Göttin ruhte, bis ihr Bild zurückkehrte. Sogar die Demokratie legte eine Pause ein – manchmal braucht Macht, ob politisch oder göttlich, eben eine Reinigung.
Die Plynterien, eines der seltsamsten und geheimnisvollsten Feste Athens, ließen die Stadt tagelang ohne ihre Göttin zurück – schutzlos, entblößt und wartend.