Der Hermen-Skandal vor der Sizilienexpedition
Am Vorabend von Athens größtem Wagnis wurden überall in der Stadt Statuen geköpft – und Panik brach aus.

Athens Nacht der zerbrochenen Gesichter
415 v. Chr. wurden die heiligen Hermen der Stadt – viereckige Steinsäulen mit dem Kopf (und den Genitalien) des Hermes – verstümmelt. Am Morgen wachten die Athener auf und fanden kopflose Statuen. Für eine abergläubische Stadt, die Tausende in den Krieg schickte, fühlte es sich wie eine Botschaft der Götter an.
Panik schürt Verdacht
Die Stadt wandte sich gegen sich selbst. Politische Gegner beschuldigten Alkibiades, den charismatischen Feldherrn, der Gottlosigkeit und Verschwörung. Es folgten Prozesse und Verbannung. Die Expedition – ohnehin riskant – segelte mit ihrem besten Anführer entehrt und Feinden in der Heimat.
Glaube und Schicksal prallen aufeinander
Die Sizilienexpedition endete im Desaster. Für viele Athener war das Omen von Anfang an eindeutig. Die Verstümmelung der Hermen hinterließ nicht nur Narben in der Stadt – sie wurde zum Symbol für athenische Hybris und die Gefahren kollektiver Hysterie.
Eine Welle religiöser Angst und politischer Paranoia drohte die Sizilienexpedition schon vor dem Start zu stoppen. Das Rätsel um die zerstörten Hermen entblößte tiefe Risse in der athenischen Gesellschaft.