Aristoteles über Lust und Tugend
„Der zügellose Mensch begehrt alles Angenehme… und leidet, wenn es ihm fehlt.“ – Aristoteles, nie sentimental, trifft den wunden Punkt der Schwäche.

Unknown — "Head of a Woman" (300–200 BCE), CC0
Lust – halte die Leine, oder lass dich schleifen.
Aristoteles schreibt in der Nikomachischen Ethik (Buch VII.8): «Ὁ ἀκόλαστος πάντων ἡδέων ἐπιθυμεῖ καὶ λυπεῖται ἐὰν αὐτῶν στερηθῇ.» — «Der zügellose Mensch begehrt alles Angenehme… und leidet, wenn es ihm fehlt.» Für ihn war Sucht der Feind der Freiheit.
Aristoteles’ Rezept für Freiheit.
Tugend bedeutete nicht, Lust zu verweigern, sondern ihr nicht ausgeliefert zu sein. Disziplin, so Aristoteles, erlaubt es, das Gute – Essen, Freundschaft, Ruhe – zu genießen, ohne von Verlangen beherrscht zu werden. Wahre Lust ist wählen, nicht jagen.
Für Aristoteles war Tugend kein Selbstzweck der Entsagung. Es ging darum, das Begehren zu zähmen, damit Lust dich nicht zum Gefangenen macht. Seine Lektion: Nur wer Disziplin hat, kann das Leben ohne Angst genießen.