Der Tod des Antinous
Der Liebling des Kaisers verschwindet im Nil—niemand weiß, ob es Unfall, Opfer oder etwas Düsteres war.

Antoniazzo Romano (Antonio di Benedetto Aquilio) — "Saint Francis of Assisi" (ca. 1480–81), public domain
Goldene Jugend, verloren im Nil.
Im Jahr 130 n. Chr. reist Antinous—kaum zwanzig, schön und unnahbar—mit Kaiser Hadrian durch Ägypten. Eines Nachts verschwindet er in der dunklen Strömung des Nils. Manche flüstern, er sei ausgerutscht, andere sprechen von Menschenopfer. Der Fluss schweigt.
Trauer wird zum neuen Gott.
Hadrian ist am Boden zerstört. Er lässt Statuen in allen Provinzen errichten, Städte umbenennen, sogar ein Orakel im Namen des Antinous gründen. Im ganzen Reich bringen Menschen Opfer dar, behandeln den Ertrunkenen als neuen Gott. Im Marmor wird Antinous unsterblich.
Ein Rätsel, das der Nil bewahrt.
Kein Historiker ist sich einig, was wirklich geschah. Unfall, Hingabe oder kaiserliche Politik? Sicher ist nur: Antinous—einst ein Junge aus Bithynien—wurde das berühmteste Gesicht der römischen Welt.
Der rätselhafte Tod des Antinous löste einen neuen Kult im ganzen Römischen Reich aus, sein Gesicht tauchte von Ägypten bis Britannien in Marmor auf.