Römische Kriegsschiffe und der Gangplanken-Mythos
Du stellst dir vor, wie römische Seeleute mit Holzplanken von Schiff zu Schiff stürmen, als wären sie Piraten. Der ‚Corvus‘ macht jede Seeschlacht zum Landkampf. Aber es gibt einen Haken.

Unknown — "Silver handle of a large dish" (2nd–early 3rd century CE), public domain
Der Gangplanken-Mythos der römischen Marine
In jedem Film rammen sich römische Kriegsschiffe, krachen zusammen, und Soldaten stürmen über Planken – den sogenannten ‚Corvus‘. Die Seeschlacht wird zum schwimmenden Straßenkampf – brutal, direkt, unaufhaltsam. Jeder stellt sich vor, Römer hätten Seeschlachten wie Infanteriegefechte geführt, Brett für Brett.
Der Corvus: eine Waffe mit kurzer Lebensdauer
Die Römer erfanden tatsächlich den ‚Corvus‘, eine massive Enterbrücke mit Eisenspitze, um 260 v. Chr. Für ein Jahrzehnt oder zwei jagte sie den karthagischen Crews Angst ein – bis die römischen Schiffe, kopflastig und schwerfällig, in Stürmen kenterten. Am Ende des Ersten Punischen Kriegs verschwand der Corvus still und leise. Die meisten römischen Seeschlachten danach waren klassische Rammduelle – keine Brett-für-Brett-Schlachten mehr.
Wie hielt sich dieser Mythos?
Römischer Stolz liebte die Geschichte: Landkrieger, die das Meer zu ihrem Schlachtfeld machen. Antike Historiker wie Polybios beschrieben den Corvus in allen Details – und vergaßen zu erwähnen, wie schnell er wieder verschwand. Hollywood hat das Memo nie bekommen.
Die berühmte Enterbrücke, der Corvus, wurde nur wenige Jahrzehnte eingesetzt – und wieder abgeschafft, weil sie mehr Schiffe versenkte als rettete.