Fragmenta.
Geschichte·Antikes Griechenland·Spätes klassisches Athen, 415 v. Chr.

Die Nacht, in der die Götter ihr Gesicht verloren

Hunderte heilige Statuen wurden verstümmelt – am Vorabend von Athens größtem Wagnis.

Die Nacht, in der die Götter ihr Gesicht verloren

Metropolitan Painter — "Vessel with mythological scene" (600–800 CE), public domain

Vandalismus vor Sonnenaufgang.

In einer einzigen Nacht im Jahr 415 v. Chr. wurden fast alle Hermen Athens – phallische Steinfiguren des Gottes Hermes – entstellt: Gesichter zerschlagen, Genitalien abgehackt. Am Morgen herrschte Panik. Das Timing war explosiv: Athen stand kurz vor dem Aufbruch zur gewaltigen Sizilien-Expedition.

Wer schlug als Erster zu?

Die Stadt startete eine Ermittlung, so wild wie das Verbrechen selbst. Alkibiades, der charismatische, umstrittene Flottenführer, wurde als Verdächtiger genannt. Manche raunten von einem betrunkenen Streich, andere witterten einen Fluch für das Unternehmen. Die wahren Täter wurden nie gefasst.

Nebel und Verdacht auf See.

Selbst als die Schiffe ausliefen, tobte daheim die Debatte. Alkibiades wurde schließlich zurückgerufen, um sich vor Gericht zu verantworten – doch er floh und lief zum Feind über. Athens größtes Wagnis segelte nun mit einem Fluch und ohne seinen General.

Misstrauen zerriss Athen, als die Flotte nach Sizilien auslief. Alkibiades, ihr kühnster Feldherr, stand plötzlich als Frevler da – ein Schatten über jedem Ruderschlag.

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