Musonius Rufus über Verleumdung
„Es ist beschämend, über irgendjemanden schlecht zu reden.“ — Musonius Rufus brachte es auf den Punkt: «αἰσχρὸν λέγειν κακῶς ὁποιοῦν τινα»

Salvator Rosa — "Self-Portrait" (ca. 1647), public domain
Klartext vom stoischen Lehrer.
In den Vorlesungen, Fragment 52 (überliefert bei Stobaios), predigte Musonius Rufus: «αἰσχρὸν λέγειν κακῶς ὁποιοῦν τινα» — „Es ist beschämend, über irgendjemanden schlecht zu reden.“ Das war keine bloße Höflichkeit. Für Musonius formt jedes Wort die Seele.
Warum Verleumdung verboten war.
Die Stoiker glaubten, Sprache spiegelt den Charakter. Wer selbst Feinde verleumdet, verdirbt sich und schürt das Feuer im Innern. Musonius trieb seine Schüler dazu, erst die eigenen Fehler zu heilen, bevor sie andere kritisierten. Klatsch war Gift—und er verlangte nach Heilung.
Der stoische Drillmeister.
Musonius Rufus lehrte in Rom und im Exil, manchmal verbannt, aber nie zum Schweigen gebracht. Er tadelte, bohrte nach und stieß sein Publikum auch mal vor den Kopf. Seine Forderung nach Selbstbeherrschung galt jedem, der hinter verschlossenen Türen Dampf ablassen wollte—also uns allen.
Musonius Rufus warnte: Jede Beleidigung beschmutzt den, der sie ausspricht—nicht das Ziel. Klatsch war Laster, kein Zeitvertreib.