Musonius Rufus über das Gutsein
„Wenn du gut sein willst, glaube zuerst, dass du schlecht bist.“ Musonius Rufus schmeichelte seinen Schülern nicht – er ließ sie bei null anfangen.

Unknown — "Marble head of a Greek general" (1st–2nd century CE), public domain
Tugend beginnt mit dem Eingeständnis des Scheiterns.
Musonius Rufus schreibt in den *Diatriben* (überliefert bei Stobaios 3.1.45): «Εἰ βούλει ἀγαθὸς γενέσθαι, πρῶτον σεαυτὸν κακὸν νομίζε.» — „Wenn du gut sein willst, glaube zuerst, dass du schlecht bist.“ Keine Abkürzungen. Kein Eigenlob.
Warum so streng?
Musonius glaubte, Ehrlichkeit sei die erste Disziplin. Selbstbeweihräucherung ist der Feind des Fortschritts. Nur wer seine Fehler klar sieht, kann sie auch ändern. Die anderen üben nur Tugend – sie leben sie nicht.
Für Musonius begann echte stoische Verbesserung mit Demut. Nur wer sich ehrlich selbst prüft, kann Tugend von Grund auf aufbauen.