Hephaistion: Der Tod von Alexanders anderer Hälfte
Alexander der Große zerreißt seine Kleider und verweigert tagelang das Essen, als sein engster Gefährte Hephaistion plötzlich in Babylon stirbt.

Unknown — "Head of Alexander the Great" (300–200 BCE), CC0
Der Tag, an dem Alexander zerbrach.
324 v. Chr. bricht Hephaistion – General, Vertrauter und vielleicht der Einzige, den Alexander als ebenbürtig ansah – in Babylon mit Fieber zusammen. Wenige Tage später ist er tot. Alexander zerreißt den Mantel des Arztes, verweigert Essen und Wasser und schneidet sich am Scheiterhaufen das Haar ab.
Die Trauer eines Königs verändert eine Stadt.
Alexander lässt die heiligen Flammen der Stadt löschen – ein Ritual, das sonst nur beim Tod eines Königs geschieht. Babylon erfüllt sich mit Klagegesängen, Trommeln und Ritualen. Alexander befiehlt, Hephaistion ein Begräbnis zu bereiten wie Achilles in der Ilias: Gold, Weihrauch und ein Scheiterhaufen, der angeblich 60 Meter hoch war.
Vermächtnis in Asche.
Monatelang danach wirkt Alexander wie getrieben – der unbesiegbare Schwung ist dahin. Manche glauben, er habe Aufstände mit neuer Härte niedergeschlagen, um seinen eigenen Schmerz zu ersticken. Als Alexander weniger als ein Jahr später stirbt, fragen sich sogar seine Feinde, ob das Fieber von Babylon ihn schon damals gezeichnet hatte.
Hephaistions Tod erschütterte Alexander bis ins Mark. Was folgte, war nicht nur Trauer, sondern ein stadtweites Begräbnis, wie es sonst nur Königen zuteilwurde – und der Moment, in dem einer der unaufhaltsamsten Männer der Geschichte plötzlich ins Wanken geriet.