Heute vor X Jahren: Wie Roms Kalender die Politik lenkte
24. Mai: Heute schenkt der römische Kalender Politikern eine Waffe – die Kontrolle über die Zeit selbst.

Unknown — "Carnelian ring stone" (ca. 64–68 CE), public domain
Kalender als Schachbrett, nicht als Uhr.
Am 24. Mai, einem dies comitialis, läuft Roms Geschäft – aber nur, wenn die Priester es erlauben. Die Pontifices bestimmen, welche Tage 'comitialis' (für Versammlungen offen), 'nefastus' (kein öffentliches Geschäft) oder 'fastus' (nur Gerichte) sind. Jeder Eintrag im Kalender kann über das Schicksal eines Gesetzes entscheiden.
Verzögern, stören, durchsetzen – Politik per Kalender.
Willst du einen Prozess verschleppen? Brauchst du mehr Zeit, um die Menge zu überzeugen? Ruf einfach eine Kette von nefastus-Tagen aus. Im letzten Jahrhundert der Republik wird der Kalender zum politischen Schlachtfeld – und ein findiger Priester kann die Zukunft umschreiben, ohne je abzustimmen.
Der dies comitialis war nicht nur ein Datum. Wer diese Tage festlegte oder manipulierte, hielt einen Hebel der Macht in der Hand: Magistrate und Priester konnten die Zukunft einfrieren – manchmal für Monate – indem sie eine Serie von nefastus-Tagen ausriefen.