Die Nachtflucht aus Syrakus
Im Dunkeln versuchen tausende ausgehungerte Athener, aus Syrakus zu verschwinden – lautlos, verzweifelt, gejagt.

The Night Escape from Syracuse, public domain
Mitternacht am Ufer.
Nach einem Jahr im Hafen von Syrakus waren die Athener ausgehungert und am Ende. In einer mondlosen Nacht 413 v. Chr. ordneten die Feldherren Nikias und Demosthenes den stillen Rückzug an. Keine Fackeln, kein Wort, keine Trommeln. Nur das Schlurfen tausender Füße in der Dunkelheit.
Eine Geisterarmee auf der Flucht.
Syrakusanische Späher entdeckten die Bewegung und schlugen Alarm. Was folgte, war Chaos: Die Athener, verwirrt und erschöpft, zerstreuten sich in der Nacht, wurden auf schlammigen Wegen niedergemacht oder zwischen Flüssen in die Falle getrieben. Thukydides beschreibt es als das Zerreißen einer Weltmacht – eine letzte, stumme Hoffnung, ertränkt in Blut und Schlamm.
Athen erwacht im Albtraum.
Als die Nachricht Athen erreichte, rissen sich Mütter auf der Straße die Schleier vom Kopf. Fast die gesamte Expedition – zehntausende – war tot oder versklavt. Symposien und Stadtmauern wirkten plötzlich ziemlich vergänglich.
Der Rückzug der Athener aus Syrakus wurde zum panischen Geistermarsch – ihre Hoffnungen ertranken und wurden abgeschlachtet. Für Athen war es das bittere Ende von träumerischen Großmachtfantasien.