Heute vor x Jahren: Das Fest der Opiconsivia
Am 30. August verschwinden die Vestalinnen in die dunklen Ecken der ältesten Tempel Roms – heute ehren sie Ops, die Göttin der Ernte.

Annibale Carracci — "The Coronation of the Virgin" (after 1595), public domain
Ein Fest fernab der Öffentlichkeit.
30. August im antiken Rom: Opiconsivia. Während andere Feste das Forum füllen, bleibt dieses verborgen. Die Vestalinnen ziehen sich in Tempel zurück, murmeln Gebete über Körben mit Getreide. Nur Frauen, vor allem Priesterinnen, dürfen teilnehmen – Schaulustige sind tabu.
Ops, die stille Göttin des Überflusses.
Ops bekommt keine Gladiatorenspiele, keine stadtweiten Gelage. Stattdessen: geflüsterter Dank und geheime Riten. Die Römer wussten: Das Brot des Jahres hing von ihrer Gunst ab. Das Schweigen ist das Opfer – nur eine Handvoll Getreide, ein Hauch Dankbarkeit, und die Hoffnung auf eine weitere gute Ernte.
Wenn die Felder leer, aber die Speicher voll sind.
Das Opiconsivia kommt, sobald die letzten Garben von den Feldern verschwunden sind. Jetzt zählt nur noch, was eingelagert wurde. Ein stiller Reminder: Wohlstand in Rom war eine Frage von Planung, Geduld – und ein bisschen Glück mit den Erntegöttern.
Das Opiconsivia-Fest ist Roms stilles, geheimes Dankeschön für die Fülle der Erde – geleitet von Frauen, verborgen vor aller Öffentlichkeit.