Fragmenta.
An Diesem Tag·Antikes Griechenland·Klassisches Athen

Heute vor x Jahren: Die Weinpressen ächzen in Athen

Anfang Oktober in Attika – die Steinpressen kreischen, purpurner Saft schwappt in Tonkrüge. Es ist das Herz der Weinlese.

Heute vor x Jahren: Die Weinpressen ächzen in Athen

Edward Dodwell — "Temple of Iupiter Olympios in Athens (1821)", Public domain

Unter nackten Füßen quillt der Herbstreichtum hervor.

Anfang Oktober wölbt sich das Land um Athen unter Körben voller praller, violetter Trauben. Ganze Familien stampfen barfuß in den Bottichen, grölen derbe Erntelieder, während die Luft süß und scharf zugleich wird.

Wein für Götter – und Sterbliche.

Das Pressen ist nicht nur Arbeit – es ist Ritual. Opfer fließen zu Dionysos, dem Gott des Weins und des Theaters. Die ersten Schlucke des frischen Weins gehören ihm, als Bitte um Glück gegen saure Fässer und böse Omen.

Ein Vorgeschmack auf das Versprechen des Jahres.

Im Winter wird auf jedem Kline, von der Matte des Bauern bis zur Liege des Adligen, dieser neue Wein ausgeschenkt. Was im klebrigen Chaos begann, endet in Lachen und Gesang an jedem athenischen Tisch.

Für Winzer und Erntehelfer war das die arbeitsreichste Woche: Trauben zerquetscht, Lieder steigen auf, Athen klebt vor Versprechen und Saft.

Drei Minuten am Tag.

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